Programm am Dienstag, den 13.07.2010
18:00 |  
Lecker essen mit Lasse (DJ/Party)
Vor dem Tanzen, vor dem Konzert, vor dem Theater: die Stadtmitte Speisekarte, zusammen gestellt von unserem Chefkoch Lasse Fenner höchstpersönlich

20:00 |  
NÄGEL MIT DER STIRN IN DEN BODEN SCHLAGEN (POUNDING NAILS IN THE FLOOR WITH MY FOREHEAD) (Theater)
DEUTSCHSPRACHIGE ERSTAUFFÜHRUNG
Eric Bogosians „Nägel mit der Stirn in den Boden schlagen“ ist gemein, zornig und unerhört witzig. Der Autor entwirft in seinem fünften Solostück eine Reihe von Charakterstudien: Männer, die über Sex reden, über Drogen und Gewalt, Männer, die ein Spiegel sind unserer Städte und Vorstädte. Bogosian stellt in dieser Stand-up eine Verbindung zwischen seinen Figuren und uns her. Uns, die wir so oft nicht erkennen wollen oder bewusst wegschauen.


„Was passiert, wenn der Regisseur Donald Berkenhoff innerhalb von zwei Wochen 50 Kilometer voneinander entfernt zwei Männer auf die Bühne stellt, einmal Stefan Viering im dicken Turm in Heidelberg und einmal Thomas Gerber in der Stadtmitte-Disko in Karlsruhe? Erst einmal Narration. (…) Thomas Gerber erzählt in der deutschen Erstaufführung von ‚Mit dem Kopf schlage ich Nägel in den Boden’ viele kleine Geschichten, inspiriert durch die Stand-Up-Comedys des amerikanischen Dramatikers Eric Bogosian, für seine zynischen Ein-Personen-Stücke bekannt. (…) Thomas Gerber, der mit dieser Premiere seinen Abschied vom Karlsruher Theater nimmt, um nach Essen zu gehen, darf sich in der Karlsruher Disko noch mal richtig austoben. Aus seinen vielen kleinen Rollen entsteht ein Abgesang auf die Konsumgesellschaft, Pseudotoleranz und Arbeitsmoral. Gespickt mit selbstreferenziellen Kommentaren und Zuschauer-Anfassen, damit der sich auch unwohl fühlt. (…) Szene um Szene schlägt sich Gerber mit atemloser Gag-Geschwindigkeit verbal den Kopf ein. Dieses vom Regisseur intendierte An-die-Grenzen-Gehen strengt an. Auch Gerber, der am Ende bei gefühlten 40 Grad Raumtemperatur schweißdurchnässt ist. (…)“

Frankfurter Rundschau, 15.07.2010

„(…) Gerber jagt in gut 90 Minuten durch ein Panoptikum der Überforderten, Überdrehten und Überhitzten, die am Schluss um fürchterliche Folter winseln, um im Schmerz wenigstens einmal etwas ‚Authentisches’ zu spüren, ‚ damit vielleicht, und sei es nur für ein paar Sekunden, der Krach in meinem Kopf aufhört.’ Der virtuose Schauspieler Gerber vermittelt den Überdruck, unter dem die Figuren stehen – und die Hitze in der ‚Stadtmitte’, die bei der Premiere zum Brutkasten wird, überträgt ihn direkt aufs Publikum. Das wird gleich zu Beginn in Geiselhaft genommen: Man sitzt und schwitzt und der Kerl auf der Bühne donnert einem entgegen, man säße jetzt gemeinsam im Zug, der übrigens sein Zug sei, er sei der Zugführer, und nein, Aussteigen sei leider nicht möglich. (…) Anfangs gibt Gerber einen Conférencier, der zwischen Plauderei und Pöbelei hin und her zappt, später schlüpft er in klar abgetrennte Rollen. Beispielsweise in die des abgedrehten Dealers, der wortreich darlegt, warum er seinen einst besten Freund Uwe wohl aus Liebe wird umbringen müssen. Oder die des bornierten Reichen, der sich auf seinem stachedrahtumzäunten Grundstück am teuren Grillgut erfreut – hier zeigt Gerber durch eine allmähliche Steigerung nervöser Tics, wie paranoid diese Figur sich vor dem Überfall der Besitzlosen auf sein Paradies fürchtet. (…)“

Badische Neueste Nachrichten, 16.07.2010

Eric Bogosian, der aggressive Comedian, spielte bis Ende der 90er in den USA seine Shows selbst. Tom Gerber zeigt, dass man nicht der Autor sein muss, um diese Figuren authentisch und spontan zu ihrem wütenden Leben zu erwecken. „Verhaltet euch nicht so, als könnte ich euch nicht sehen. Ich kann euch sehen.“


Eric Bogosians Komödien sind meist zynische Ein-Personen-Stücke. Er gewann mit ihnen drei Obi Awards und für Talk Radio eine Pulitzer-Preis-Nominierung. In der Verfimung dieses Stoffes durch Oliver Stone spielte er auch die Hauptrolle und erhielt dafür 1989 den Silbernen Bären. Bogosian lebt in New York City.

Donald Berkenhoff ist Regisseur an Staats- und Stadttheatern. In der Freien Szene Berlins machte er sich einen Namen vor allem mit seinem Theater „Stükke“, das hauptsächlich amerikanische Ur- und Erstaufführungen zeigte. Berkenhoff lebt in Süddeutschland.

Tom Gerber ist Ensemble-Schauspieler. Stationen waren u.a. Nürnberg, Göttingen und Karlsruhe. Neben seiner Rollenarbeit inszeniert er regelmäßig und entwirft Bühnenbilder. Gastverträge führten ihn u.a. nach Berlin, Amsterdam und Glasgow. Seit Beginn der Spielzeit 2010/11 ist er Mitglied des Grillo-Ensembles (Essen).
19:00 |  
1. Karlsruher Tortenschlacht (DJ/Party)
unter diesem Motto feiert Arts in Dialogue seinen ersten Geburtstag. Es gibt die Premiere von "Nägel mit dem Kopf in den Boden schlagen", es spielen PATRICKS, ANNAGRAMM, es gibt drei kurzfilmpremieren von NULLKOMMANI-DER ARME BANKER und DER POETISCHE FILM 1&2. am ende des tages legen WOHNSTUBENDISCO auf.

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